Die Bandage. Der nutzen und die Folgen vom Tragen einer Bandage. 1

Schon einmal Umgeknickt oder wegen Knieschmerzen beim Sport eine Bandage getragen? In der Physiotherapie werde ich immer wieder mit dem Thema Bandage konfrontiert. Schnell stellt sich heraus, dass die wenigsten gar nicht wissen was genau die Bandage macht, außer Schmerzen zu reduzieren. Gerade die Frage wie lange und wie in welcher Situation solch eine Bandage getragen werden muss ist für viele unklar. Meistens wird die Bandage den ganzen Tag getragen und dies über mehrere Wochen.

Wann werden Bandagen verschrieben?

Supinationstrauma (Umgeknickt mit dem Fuß) sind eine sehr häufige Indikation für Bandagen. Aber auch bei Instabilitäten im Knie (z.B. Junge Mädchen in der Wachstumsphase), nach Verletzungen im Knie, Ellenbogenschmerzen (Tennisarm, Golferarm, Mausarm, usw.) und Handgelenksschmerzen, so wie bei instabilitäten der Lendenwirbelsäulen und Chronischen Schmerzen werden Stützgürtel/Bandagen verschrieben.

Kurz gesagt eine Bandage kommt dann zum Einsatz, wenn ein oder mehrere Gelenke nicht mehr in der Lage sind aus eigener Muskelkraft Stabil zu bleiben und die Gefahr einer (weiteren) Verletzung besteht.

Anders Formuliert: Wenn die körperliche interne – muskuläre -Stabilität nicht mehr ausreicht wird über die Bandage eine externe Stabilität gewährleistet.

Macht eine Bandage überhaupt Sinn?

Diese Frage lässt sich gut an einem Supinationstrauma erklären, denn viele von uns wurden damit schon einmal konfrontiert.  Selten muss ein Supinationstrauma Operativ versorgt werden, häufig wird eine Bandage verschrieben. Sie soll in der akuten Zeit den Fuß vor rezidiven, also weiteren Supinationstrauma schützen. Denn durch den Druck auf das Gelenk wird dieses Stabilisiert. Würde man nach einem Supinationstrauma krankgeschrieben werden könnte man den Fuß optimal Belasten und entlasten, um die bestmögliche Regeneration zu erhalten. Da aber selten eine Krankgeschrieben folgt und wir somit weiter arbeiten gehen ist selten eine optimale Heilungsphase möglich. Dabei spielt es keine Rolle ob wir durch eine Bürotätigkeit viel Sitzen oder auf dem Bau schwere Materialien tragen müssen. Die Gefahr dabei ist, dass weitere Verletzungen entstehen können. Beim Bauarbeiter durch die starke Belastung und im Büro durch den Mangel der Belastung. In diesem Fall kommt die Bandage wunderbar zum Einsatz.

Doch wie oben beschrieben nur in der akuten Phase. Warum das so ist versteht man am besten wenn man weiß wie der Körper auf das Tragen einer Bandage reagiert.

Was passiert, wenn wir eine Bandage tragen!

Da der Körper bekanntlich faul ist und nur die Funktionen nutzt, die er braucht kann ein langes Tragen einer Bandage viele Probleme mit sich bringen. Wer z.B. die meiste Zeit im Büro sitzt und keinen Sport macht, wird keine Muskeln aufbauen können. Der Körper braucht überschwellige Reize um Aufbauprozesse zu fördern. Wäre auch zu schön, wenn man mit dem heben eines Trinkglases zum Mund seinen Oberarm trainieren könnte wie ein Bodybuilder/Leistungssportler.

Durch die extern zugeführte Stabilität kommt es über einen längeren Zeitraum  dazu das der Körper sich auf diese Stabilität (Bandage) verlässt und seine eigene schon geschwächte Muskulatur und überdehnte Sehnen nicht weitere kräftigt/ausbildet. Denn wer einmal umgeknickt ist oder sich anderweitige verletzt hat, hat eine erhöhte Gefahr sich dort noch einmal zu verletzten. 
Da die Bandage das Gelenk nicht still legt ist der Muskuläre Verlust zum Glück (relativ) gering und tritt nicht innerhalb der ersten paar Wochen auf. Meist ist es unser Alltag den wir so weiterleben wie gehabt so das, das betroffene Gelenk sich nicht optimal stabilisiert oder ggf. weiter zurück bildet.

Beziehen wir das noch einmal auf den Bauarbeiter und den Büroarbeiter und bleiben beim Beispiel Supinationstrauma. Gewebe braucht eine bestimmte Balance zwischen Belastung und Entlastung. Der Bauarbeiter der Stundenlange auf dem Fuß steht und sogar noch schwere Sachen trägt, evtl. sogar mehrere Stockwerke hoch (ohne Fahrstuhl) überlastet das gerade heilende Gewebe und es kommt zu einer das das Gewebe nie richtig Ausheilt und sich in der Anfangszeit das Gelenk immer wieder entzündet.
Der Büroarbeiter hingegen der viele Stunden den Fuß nicht bewegt, aktiviert die Muskelpumpe nicht, was dazu führt das der Fuß gern geschwollen bleibt, da die Lymphflüssigkeit nicht abfließen kann. Das Gewebe hat zwar in der Ruhephase Zeit zuheilen, da es aber nicht belastet wird kann es sein das das Gewebe nicht stabil genug zusammen wächst für höhere Belastungen. Somit besteht die Gefahr eines erneuten Supinationstrauma, sobald der Fuß stärker belastet wird.

Was beim Tragen einer Bandage beachtet werden sollte!

Im Regelfall sollte eine Bandage nicht länger als 3 Wochen getragen werden. Dies ist natürlich abhängig vom Bewegungsumfang, Konstitution und Lebensstil des Trägers. Wenn möglich sollte die Bandage nur unter größerer und/oder längerer Belastung getragen werden. Zum Beispiel länger strecken die zu Fuß zurückgelegt werden oder beim Sport treiben. Im Haushalt (kleine Strecken) oder beim Liegen auf dem Sofa sollte die Bandage nicht getragen werden. Ausnahme hierbei ist, wenn eine starke Schwellung dazu kommt, denn dann kann die Bandage die Schwellung im betroffenen Gelenk mindern (Dennoch gibt es besser Lösungen).

Bedenkt: Dies ist nur der Regelfall. Es gibt Ausnahmen. Dementsprechend sollte die Häufigkeit und länge beim Tragen einer Bandage individuell geklärt werden. Ebenso sollte das Training unter Aufsicht erarbeitet werden.

Wie trainiere ich in den ersten Wochen, in denen ich eine Bandage trage.

Diese Frage ist schwer zu beantworten, da jede Person mit einer Bandage individuell betreut werden muss. Denn der Ort und der Grad der Verletzung, die körperliche Konstitution, das Alter, die Ernährung,  Medikamenteneinnahme und weitere Aspekte spielen hierbei eine wichtige Rolle.
Aus Physiotherapeutischer Sicht und aus Sicht der Wundheilungsphase sollte so schnell wie möglich wieder voll Belastet werden. Dabei ist zu beachten das die Belastung schmerzfrei sein sollten (ohne Schmerzmedikamente). Ein Training mit beweglichen und instabilen Untergründen ist einem Training auf festem Untergrund vorzuziehen. Es muss ein Überschwelliger Reiz stattfinden, damit das Gelenk wieder gekräftigt und stabilisiert wird. Dabei sind Kräftigungsübungen, Stabilitätsübungen und Dehnungen wichtig. Auch das Nutzen von Faszienrollen kann die Regeneration fördern. 
Wichtig ist nun das sich jeder Bewusst macht, wie sein Alltag aussieht. Wer nun viel Arbeitet sollte versuchen regelmäßig einmal aufzustehen und den Fuß etwas belasten. Wer körperlich schwer arbeitet, sollte dringend versuchen das Betroffene Gelenk zu entlasten. Also immer den Alltag beachten.
Sofern das Gelenk heiß und stark geschwollen ist, macht eine milde Kühle 2x am Tag für 15 Minuten Sinn. Bei Schwellungen kann das Gelenk über Herz höhe gelagert werden leicht bewegt werden, dies führt zum Abtransport der Flüssigkeit. Am besten ist es immer einen Fachmann zur Hilfe zu nehmen, um Fehler zu vermeiden.